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Geschichte von Venezuela
15. - 19. Jahrhundert
In Venezuela lebten in vorkolumbianischer Zeit indianische Gruppen, nomadisierende
Jäger und Sammler sowie Fischer und Bauern. Christoph Kolumbus erreicht
auf seiner 3. Reise 1498 die östliche Küste Venezuelas und ging
an der Mündung des Flusses Orinoco an Land. Es war das erste Mal,
dass er und seine Mannschaft das amerikanische Festland betraten. Am 24.
August 1499 folgte eine Expedition von Alonso de Ojeda und Amerigo Vespucci,
die dem Land wegen der häufigen Verwendung von Pfahlbauten angeblich
den Namen Venezuela (Klein-Venedig) gaben. Diese Theorie stammt aus Vespuccis
Reisebericht Cuatro Navegaciones (4 Schifffahrten) und ist
auch allgemein bekannt, jedoch historisch nicht belegt. Die
erste feste Siedlung der Spanier mit dem Namen Nueva Cadiz wurde 1522
gegründet, die heutige Hauptstadt Caracas wurde 1567 geschaffen.
1577 setzte die spanische Krone zur Verwaltung einen Gouverneur ein. Jedoch
wurde die Kolonie im 16. und 17. Jahrhundert von den Spaniern eher vernachlässigt,
da sie sich mehr auf das Gold aus anderen Teilen Amerikas konzentrierten.
Der Anbau von Kakao, Zucker, Tabak, Kaffee und Baumwolle führte dazu,
dass eine große Anzahl an Sklaven nach Venezuela gebracht wurden,
die, nachdem die einheimische Kultur zu einem Großteil zerstört
war, die Kultur in Venezuela nachhaltig beeinflussten. Im 17. und 18.
Jahrhundert begann die Christianisierung indianischer Stämme durch
Missionare der römischen Kirche. Das Land war politisch zunächst
Bestandteil des 1535 gebildeten Vizekönigreichs Neuspanien (Nueva
España) mit seiner Hauptstadt Mexiko. 1777 entstand das Generalkapitanat
Venezuela.
Von 1797 bis 1821
gab es immer wieder Versuche, sich von der spanischen Herrschaft loszulösen,
unter anderem durch Simón Bolívar. 1821 gelang es letztendlich.
Venezuela wurde ein Teil der von Bolívar schon 1819 neu geschaffenen
Republik Groß-Kolumbien. Wenige Tage nach seinem Tod 1830 fiel Venezuela
aus dieser Verbindung ab und erklärte sich für selbstständig.
1864 wurde Venezuela in eine Bundesrepublik
umgewandelt. Es folgten noch eine Reihe Bürgerkriege und Revolutionen,
die die politische Entwicklung des Landes ausbremsten.
Erste Hälfte des 20. Jahrhunderts
Die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts waren durch die Diktatur von Juan
Vicente Gómez bestimmt. Auf dessen Tod folgte eine teilweise
Liberalisierung des Landes, unter anderem durch Eleazar
López Contreras. Diese Politik wurde von Isaías Medina
Angarita fortgeführt. So wurde im Juni 1941 die sozialdemokratische
Partei Acción Democrática (AD) und im Oktober 1945 die Kommunistische
Partei legalisiert und im April eine Verfassungsreform durchgesetzt. Aufgrund
einzelner Mängel, die die Regierung noch besaß, kam es von
Seiten der Opposition und Teilen des Militärs am 18. Oktober 1945
zum Putsch gegen die Regierung Medina Angaritas. Die durch den Putsch
an die Macht gekommene Regierung setzte die angestrebten Reformen sofort
durch. So wurde am 14. Dezember 1947 zum allerersten Mal ein Präsident
direkt vom Volk gewählt. Rómulo Gallegos sollte der erste
gewählte Präsident werden. Allerdings blieb er nicht lange im
Amt, denn kurz darauf kam es zu einem erneuten Putsch des Militärs.
1948 - 1982
Ab 1948 wurde Venezuela von einer Militärjunta, von 1952 unter Diktator
Marcos Perez Jiménez
geführt. Mit seinem Sturz 1958 wurde Venezuela eine Demokratie. Seitdem
waren bis in die 1990er Jahre die beiden bestimmenden Parteien die sozialdemokratische
Acción Democrática und die konservative COPEI, die auch
die Präsidenten stellten. In der ersten Amtszeit von Carlos Andrés
Pérez (1974 - 1979) stiegen die Einkünfte des Landes aus dem
Erdölexport so rapide, dass das Land eines der wohlhabendsten Länder
Südamerikas war, [...] durch den Verkauf von Erdöl hat
Venezuela von 1973 bis 1983 rund 240 Milliarden Dollar eingenommen, das
heißt etwa das Zehnfache dessen, was der Marshallplan vorsah
(Arturo Uslar Pietri), die damit einhergehende Verteilungspolitik führte
zur, für lateinamerikanische Verhältnisse, außerordentlich
hohen politischen Stabilität des Landes.
1983 - 1997
Mit dem eklatanten Verfall des Ölpreises seit 1983 brachen diese
Einkünfte jedoch weg und da es keine anderen Wirtschaftszweige gab,
die die sinkenden Erdöleinnahmen zu kompensieren vermochten, führte
dies gemeinsam mit den immer höher werdenden Auslandsschulden (1993:
45 Milliarden Dollar) zu einer anhaltenden Wirtschaftskrise.
drei venezolanische KursmünzenDer in der zweiten Amtszeit Carlos
Andrés Pérez' (1989 - 1993) als Folge von Weisungen des
Internationalen Währungsfonds begonnene Wirtschaftskurs führte
im Februar 1989 zu Hungerrevolten, der sogenannten Caracazo, deren gewaltsame
Niederschlagung offiziell 246, nach inoffiziellen Schätzungen weit
über 1000 Menschen das Leben kostete. Nach zwei Putschversuchen im
Jahre 1992, einem am 4. Februar durch Hugo Chávez und einem am
27. November 1993, einem Volkswirtschaftsjahr mit Minuswachstum und der
schlussendlichen Absetzung des Präsidenten durch den Obersten Gerichtshof
wegen Veruntreuung und Korruption wurde 1994 Rafael Caldera Präsident.
Bis 1998 gelang ihm zwar die politische Stabilisierung, der Wirtschaftskrise
aber wurde auch er nicht Herr (1994: Inflationsrate: 71 %, schwere Währungskrise
und Bankencrash).
1998 bis heute
Chávez (links) und Präsident Lula von BrasilienAm 6. Dezember
1998 wurde Hugo Chávez, der Gründer der Movimiento Quinta
República und Führer zweier Putschversuche gegen die ehemalige
venezolanische Republik, mit einem überraschenden Sieg (56 %) zum
Präsidenten gewählt. Chávez ist ein Verfechter des Bolivarismus,
seine erklärten Ziele sind der Kampf gegen Korruption, die Schaffung
und Stärkung möglichst direkter Demokratie, sowie die nationale
und ökonomische Unabhängigkeit. Diese Politik wird auch als
Bolivarische Revolution bezeichnet. Nach der Ausarbeitung
einer neuen bolivarischen Verfassung und deren Annahme per
Referendum, wurde Chávez im Jahr 2000 mit einer gegenüber
1998 sogar nochmals deutlich gestiegenen Mehrheit (60 %) bestätigt.
Venezuelas Staatsbezeichnung lautet seitdem Bolivarische Republik
Venezuela und wird im Volksmund als Fünfte Republik
(quinta república) bezeichnet. Am 12.
April 2002 kam es zu einem Putsch gegen die Regierung mit dem Ziel, Chávez
zu stürzen. Trotz Unterstützung aller privaten Mediensender
durch politisch-parteiische Berichterstattung (venezolanischer
Journalistenverband) und Schließung des einzigen staatlichen Senders
(Canal 8) durch die neue Regierung scheiterte der Umsturzversuch an den
breiten Bevölkerungsmassen, die für ihren Präsidenten auf
die Straße gingen. Die Putschisten blieben ungestraft oder gingen
ins Exil. Spitze des venezolanischen NationalversammlungsgebäudesDie
USA haben die Politik Chávez' wiederholt scharf angegriffen und
öffentlich erklärt, die Opposition zu unterstützen. Da
die USA aber einen Großteil ihres Erdöls aus Venezuela beziehen,
pflegt die US-Regierung eine Politik der Zurückhaltung mit Kritik
an Chávez. Venezuela ist im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern
Lateinamerikas in der Lage, seine Auslandsschulden zu bezahlen und ist
daher nicht gezwungen, sich dem Spardiktat des Internationalen Währungsfonds
zu unterwerfen. Am 15. August 2004 fand ein
Referendum statt, das von der Opposition initiiert wurde. Ihm voran gingen
Streiks unter anderem bei dem staatlichen Erdölkonzern PDVSA, sowie
sogenannte Steuerstreiks des wohlhabenden Teils der Bevölkerung.
Nachdem das zuständige Wahlamt festgestellt hatte, dass die notwendige
Anzahl von Unterschriften (etwa 2,5 Mio) knapp erreicht worden wäre,
erklärte Chávez, er würde sich diesem Referendum stellen.
Aufgrund des bemerkenswert hohen Andrangs am Abstimmungstag kam es zu
teilweise stundenlangen Wartezeiten und die Schließung der Wahllokale
musste mehrfach, letztendlich bis Mitternacht, verschoben werden. Das
Referendum bestätigte Chávez bei hoher Wahlbeteiligung (73
%) mit 59,25 % (knapp 5 Mio) klar im Amt. Die Opposition warf Chávez
Wahlbetrug vor, aber eine von ihnen initiierte und von der OAS (Organisation
Amerikanischer Staaten) und dem Carter Center durchgeführte Nachzählung
der Stimmen bestätigte das Wahlergebnis.
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